Blogbuch Käpt’n Juri
Für diejenigen unter euch, die keine Ahnung haben vom literature-surfing, erklär ich’s kurz. Jemand schreibt einen Roman, eine Geschichte, whatever. Hat jahrelang dran gearbeitet & dann liegt das Ding auf der Festplatte rum. Oder in der Cloud. Meistens bleibt es da, weil der oder die Typ keinen Verlag findet & kein Geld hat, es selber zu drucken. Oder der Text hängt als E-Book-Download auf wenig besuchten Webseiten, wird sofort gehackt & geteilt & vergessen. Das Potenzial, das verlorengeht! Die Einnahmen! & nicht zuletzt: die Arbeit!
  Also kratzt unsere Autor die letzten Kröten zusammen, öffnet den Rechner & beauftragt eine Firma, das Festplatten-Segment, auf dem alles liegt, zu vitalisieren & zu vermarkten. Die converten das Geschriebene in einen 3-D-Film, der direkt auf dem Ursprungsrechner läuft. Die Figuren werden lebendig & Landschaften entstehen aus den Beschreibungen der Schauplätze. & dann verhökert der Converter virtuelle Tripps in diese Welt. Als Litera-Touren. Der will ja schließlich was verdienen. Manchmal läuft sowas auch illegal, illegales Wi-Äting, von VA, virtuelle Animation. Der Rechner wird gehackt, ein Algorithmus platziert & statt Trojanern überfluten Touristen die Autoren-FP. Herrlich!
  Ich setze euch mal einen Link zur Info:
  www.literature-surfing.org/about_us.  Jedenfalls will ich mir das genauer angucken.

 

Die Reise
Kirsten legte das Smartphone neben den Prospekt auf den Tisch und sah zu Pieter. »Für uns beide? Zusammen?«
  »Nur zusammen, Mama«, erwiderte Marie.
  »Litera-Touren. Wie originell«, Pieter sah nicht auf, er scrollte, ohne zu lesen.

  Kirsten lächelte ihre Tochter an. »Danke, mein Schatz. Das ist sehr lieb. Sogar Lyrik! Eine gute Idee!«
  »Ich dachte, zum Hochzeitstag. Ihr lest doch so gern. Bücher und so. War nicht leicht, das zu besorgen.«
  »Wir sind dir sehr dankbar, Miakind. Das ist genau das Richtige für uns. Was ganz Besonderes! Stimmt’s, Pieter?«
  »Ja, wirklich, Marie. Genau das Richtige. Und wie, äh, funktioniert das?«
  »Die Figuren und Geschichten auf der Festplatte sind animiert. Als wärt ihr in einem 3-D-Film. Und ein Lit-Guide steht bereit. Ein Reiseführer, extern, so wie ihr. Der wird immer bei euch sein.«
  »Ist das eine Reisegruppe? Du weißt, deine Mutter mag keine Gruppenbespaßung.«
  »Also Pit, wirklich! Das würde mir nichts ausmachen. Ehrlich!«
  »Nur ihr und der Reiseführer. Ich habe extra noch mal angerufen und gefragt. Nur ihr und der Reiseführer. Und die Figuren auf dem Rechner natürlich. Aber die sind ja nicht echt.«
  »Wie lange sollen wir da drin bleiben? Auf der Festplatte? Und was ist das für ein Schriftsteller? Kennen wir den?«
  »Das weiß ich nicht. Das Reisebüro wollte eigentlich die Daten schicken. Aber ich habe noch nichts bekommen. Und ihr bleibt, so lange ihr wollt. Ihr könnt jederzeit rein und wieder raus. Alles ist ganz ungefährlich. Ihr liegt die ganze Zeit in euren Fernsehsesseln. Wenn ihr wollt, bleibe ich hier solange.«
  »Das war doch bestimmt sehr teuer. Ich gebe dir was dazu.«
  »Nein, Mama. Bitte, nicht! Och nee! Das ist viel zu viel! Danke!«